Jeden Tag denken wir Geschichte herbei. Und formen dabei die Welt um uns herum. Ich erschaffe Geschichte mit jedem Werk neu. Aus einer bunt zusammengewürfelten Truppe wahrer und erfundener Geschichten. Eine Melange aus süßen und sauren Mythen, Zeichen und Symbolen. Ausgeschnitten aus urheberrechtsfreien Museen in aller Welt und dann in Photoshop eingeklebt, wo ich das Ganze verzaubere. Bis alle und alles reif genug sind für meine Kitsch-Mythologie.
Meine Photoshop-Alchemie verwandelt unterschiedlichste Elemente in eine Kitsch-Mythologie. Ein Wandteppich, gewebt aus Fäden von Fakten und Fantasie. Kunst ist ein Aufstand gegen die Tyrannei linearer Erzählungen und queert Vergangenheit und Zukunft zu einem köstlichen Paradox aus Echtheit und Erfindung. Mit jedem Schnitt und jedem Klebestreifen stelle ich die Fiktionen infrage, die wir abonniert haben, und lade die Betrachtenden ein, den Stoff ihrer vermeintlichen Realitäten zu hinterfragen.
Diese Collagen sind keine bloßen Zusammenstellungen, sondern Portale zu unendlichen Möglichkeiten, in denen Opulenz mit Schrulligkeit tanzt und Überschwang mit dem Mythos herumtollt. Meine Arbeit zeugt von der Wandelbarkeit der Wahrheit, ein visuelles Manifest, das die ständige Weiterentwicklung von Geschichte und Erinnerung feiert.
Jedes Werk ist ein Universum für sich, fest in historischen Artefakten verwurzelt und doch über die Grenzen der Zeit hinausfliegend. Es gewährt einen verlockenden Blick in eine Welt, in der das Surreale bloß eine Frage der Perspektive ist.
Lass dich vom Zuckerwatte-Zauber nicht täuschen. Jedes Werk, das ich erschaffe, ist wahr. Aus der Wahrheit geschöpft und von ihr geerdet. Aber nie wirklich, mythologisch gesprochen. Auch wenn die Wirklichkeit ebenfalls eine Fiktion ist. Nur eben die, die wir alle abonniert haben, und das macht sie nicht unwahr. So ist das mit der Wahrheit. Oder mit der Vergangenheit. Wir wissen, dass sie sich in beide Richtungen bewegen. In unzählige sogar. Sie halten nie still und tun nie, was man ihnen sagt. Sie werden ewig befragt, seziert, neu gerahmt und auf den Kopf gestellt. Queer gelesen und umgekehrt. Verpackt und aufgeführt. Erzählt, nacherzählt, bearbeitet und dann verkauft. Sie entwickeln sich weiter wie alles andere. Deshalb stelle ich mir gern vor, dass meine Kunst außerhalb der Zeit existiert. Und nach Unendlichkeit greift statt nach Realität. Ein Kaleidoskop aus wild gemischten Wahrheiten, die nur so surreal sind, wie wir sie machen wollen …
Toby Leon